Imitatoren des Menschlichen

Überlegungen zur Transformation des sozialen Zusammenlebens durch mustererkennende und
musterreproduzierende Computerprogramme.

Eine Veranstaltungsreihe der Institutsgruppe Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Laufzeit: November 2020 – Februar 2021.

Terminübersicht

18.11.20, 18 Uhr: „»Hey Siri, bist du wütend?« Bias und soziale Ungleichheit bei Künstlicher Intelligenz“

Warum hat Siri eigentlich eine weibliche Stimme? Einen weiblichen Namen? Und warum kann sie nicht wütend werden? Diesen Fragen wollen die Referent*innen in ihrem Vortrag nachgehen. Denn wie intelligent ist eine künstliche Intelligenz, wenn sie auf die Rolle einer persönlichen Assistentin reduziert wird – und welche Charaktereigenschaften sind dafür wichtig? Eine Reise durch die Vergangenheit führt zu Typewriter und Cable Girls sowie elektrischen Haushaltsgeräten und konfrontiert uns mit der Einsicht, dass soziale Benachteiligung und Technologie bereits seit langem miteinander einher gehen. Seit Jahrzehnten bedienen wir uns der immer gleichen historisch gewachsenen stereotypen Repräsentationen von Technologie und Geschlecht – und selbst eine vermeintlich so innovative neue Technologie wie Siri ist dagegen nicht immun. Bei genauerem Hinsehen sieht die Darstellung von Siri sogar ziemlich alt aus. Deswegen wollen wir diskutieren, warum uns historische Strukturen bis in die Gegenwart verfolgen, wie es zu Stereotypen kommt und was sich ändern muss, damit Bias bei KI reduziert werden kann.

Natalie Sontopski (HS Merseburg) & Amelie Goldfuß (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle)

16.12.20, 18 Uhr: „The new machine age: Has technology evolved beyond control?“ (auf deutsch)

„Just because something can be done doesn’t mean it should be done. But people will.“
(Poppy Crum, Dolby Laboratories)

Entscheidungen, die auf Algorithmen basieren, sind nichts Neues. In unserer heute bis in die Intimsphäre hinein von Technologie durchdrungenen Welt treffen autonome Systeme eine Vielzahl von Entscheidungen in zentralen Lebensbereichen. Algorithmen bestimmen ohne menschliches Zutun die Eignung des eigenen Erbguts zur Fortpflanzung, den täglichen Newsstream auf Facebook, die Zinshöhe für den Hauskredit, den Preis für Joghurt auf Amazon Fresh und den Grad der Gefährdung, den wir für die öffentliche Sicherheit darstellen.

Wir verlassen uns darauf, dass diese Systeme in unserem Sinne entscheiden, dass sie fair und unvoreingenommen implementiert sind und ihre Entscheidungen im Rahmen bestehender Gesetze und ungeschriebener ethischer Regeln treffen.

Der Vortrag zeigt, welche Herausforderungen bestehen bei der Regulierung und Umsetzung des verständlichen Wunsches, Datenquellen und Entscheidungsprozesse autonomer Systeme nachvollziehbar offenzulegen sowie welche Möglichkeiten sich bieten, gesellschaftliche und gesetzgeberische Wertentscheidungen in autonomen Systemen zu implementieren.

Peter Hense (Spirit Legal Leipzig)

20.01.21, 18 Uhr: „»Wir haben Ihr Ziel erreicht!« Intentionales Sprachhandeln in der Digitalkultur“

In diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, wie (Sprach)Systemen mit so genannter ‚Künstlicher Intelligenz‘ sowohl die theoretische Sprachbetrachtung als auch die praktische Sprachverwendung herausfordern. Zwei zentrale Definitionsmerkmale von ‚Text‘, nämlich dass er einen Anfang und ein Ende hat sowie einen Verfasser und einen Adressaten(kreis), taugen als Definiens im Digitalen längst nicht mehr. Indem Sprachsysteme zunehmend spontane Interaktion simulieren und Sprachhandeln imitieren, ist nun auch eine wissenschaftliche und praktische Neubewertung von ‚Dialog‘ und ‚Gespräch‘ nötig. Linguistisch und didaktisch öffnet sich dabei ein Feld, in dem kommunikative Prinzipien, Gewissheiten und Konstanten – wie im Titel angedeutet – kritisch hinterfragt werden müssen.

Prof. Dr. Matthias Ballod (MLU Halle-Wittenberg)

17.02.21, 18 Uhr: „Autorschaftsanalyse und -verschleierung“

Wurde ein Text vom gleichen Autor verfasst wie ein anderer Text? Dieses als Autorschaftsanalyse bekannte Problem ist bei Verfügbarkeit von genügend Beispieltexten eines Autors oft recht einfach lösbar. Jeder Autor hat durch seinen Schreibstil nämlich einen recht gut erkennbaren „Fingerabdruck“ in seinen Texten hinterlassen, der durch Autorschaftsanalyseverfahren erkannt werden kann. Im Vortrag werden wir uns daher auch mit dem gegenteiligen Problem befassen: Wie kann ein Text automatisch so sinnerhaltend umgeschrieben werden, dass er dem ursprünglichen Autor nicht mehr eindeutig zugeordnet werden kann?

Prof. Dr. Matthias Hagen (MLU Halle-Wittenberg) & Prof. Dr. Martin Potthast (Uni Leipzig)

Teilnahme am Livestream

Eine Teilnahme an der Veranstaltungsreihe ist nur online-synchron möglich. Die etwa 60minütigen Vorträge werden live übertragen. Danach besteht die Möglichkeit, über die Chatfunktion oder per Mail Fragen an die Referent*innen zu stellen.

Die Einwahldaten zum jeweils kommenden Vortrag werden 24 Stunden vor Vortragsbeginn an dieser Stelle veröffentlicht:

[Einwahldaten BigBlueButton]

Veranstalter und Förderer

Eine Veranstaltungsreihe der IG Soziologie, gefördert durch den Studierendenrat der MLU Halle-Wittenberg sowie durch den Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I, ebenda.